20. Historik Mobil: Karl Valentins “Oybinbahn”
Er hat schon sehr schräge Sprüche auf den Lippen gehabt, der 1948 verstorbene Münchner Komiker Karl Valentin. Jetzt sind ihm die Zittauer Schmalspurbahnen (SOEG) auf die Spur gekommen. Genauer: Ein Zitat von Karl Valentin schmückt nun einen Personenwagen der Zittauer Schmalspurbahnen: „Zuerst wartete ich langsam, dann immer schneller“. Doch wer jetzt meint, dass die Anspielung etwas mit der Pünktlichkeit der Eisenbahn zu tun hat, ist hier auf der falschen Spur. Der Satz beschreibt „auf eine absurd-komische Weise das Gefühl von zunehmender Ungeduld und verstreichender Zeit beim Warten“, so die Interpretation. Und fast 80 Jahre nach dem Tod des Komikers ist diese so formulierte Erkenntnis so aktuell, dass sie eben einen Wagen der SOEG ziert. Und ein Modell von LGB, wie bei der 20. Historik Mobil zu sehen war.

Da standen auf der Bühne eben zwei LGB-Modelle: Der Jubiläums-Packwagen, den wir bereits im Blog vorgestellt haben, und eben der Karl-Valentin-Wagen. Der neu gestaltete Personenwagen ist außen schwungvoll beklebt und innen dekoriert mit vielen Stationen aus dem Leben des Komikers (1882–1948). Das Themenwagen verkehrt täglich im regulären Speisewagenzug auf der Strecke nach Kurort Oybin. Während der Fahrt ertönen auch hörbare Sequenzen seiner Filme und Hörfassungen. Nur fragt sich der Fahrgast: Was hat ein Münchner mit Zittau zu tun? Die Lösung des Rätsels ist ganz einfach erklärt. Karl Valentins Mutter stammt aus Zittau und auch der Komiker und Volkssänger lebte um 1906 in Zittau/ Olbersdorf, wo er sogar ein Couplet (satorisches Lied) über die „Oybinbahn“ schrieb. Es ist eine Parodie auf: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“. Die „1. -7. Strophe sei Valentin nicht mehr in Erinnerung, die 8. aber lautet:
Hab’ ich mal ‘ne trauige Stunde,
Schau ich mir die Oybinbahn an.
Wenn sie kommt daher so getrottelt,
Dann lache ich, was ich nur kann.
Kommt ihr mal der Wind stark entgegen,
Dann bleib ich ganz ruhig stehn.
Sie kann den „Zug“ nicht vertragen,
Oybinbahn, wie bist du so schön.
Zunächst ist der Valentin-Wagen noch ein Muster-Einzelstück, aber wer weiß: Vielleicht wird er doch mal als Serienmodell erscheinen. Noch gibt man sich dazu bei Märklin/LGB ein wenig bedeckt, aber das betrifft wohl mehr den Zeitpunkt als die Frage, ob der Wagen kommt oder nicht. Ein Muster war eben da und gut zu sehen – und was bislang auf der Bühne in Bertsdorf präsentiert wurde, ist auch eines Tages im LGB-Programm erschienen. Wir müssen nur etwas abwarten, nur nicht die Geduld verlieren. Warten wir zuerst langsam, dann immer schneller.
Schön war jedenfalls die 20. Historik Mobil bei der Zittauer Schmalspurbahn, die ihrerseits nun seit 30 Jahren von der SOEG betrieben wird. Bei dieser Veranstaltung vereinen sich Eisenbahn, motorisierter Rennsport und Oldtimer aller Arten zu einem Event.
Mit einer kleinen Fahrzeugschau wurde am Freitag die Eröffnung gefeiert. Da war alles in Bewegung, vom kleinsten Güterwagen über die verschiedenen Personenzüge bis Vorstellung aller Lokomotiven zu sehen. I k, IV k, VII k Diesel und Triebwagen galt es zu bestaunen. Der Wettergott hatte dieses Mal gute Laune und begünstigte so die hohen Besucherzahlen. Von Interesse waren die verschiedenen Fahrzeugschauen in Jonsdorf Haltestelle, Jonsdorf und Gemeindeamt Jonsdorf.

Unter den Zügen war der neu zusammengestellte Sachsenzug mit IV k 145 und als Vorspann I k 54 unterwegs. Dazu verkehrten der Reichsbahnzug mit IV k 99 584, der Aussichtswagenzug mit VII k 99 749, der Reichsbahnzug mit VII k 99 758 sowie der Speisewagenzug mit 99 787. Unsere Bilder sollen einen kleinen Eindruck vermittelm was bei diesem Doppeljubiläum im Zittauer Gebirge so abgegangen ist.




gil/wt Fotos: Wolfgang Thum

