Bahnmuseum Albula: Paradestrecken in Spur G
Wie schön, wenn es immer wieder ein Jubiläum zu feiern gibt. Schön, weil dadurch Projekte wieder in Gang kommen können, die über die Jahre doch ins Stocken geraten sind. Wie die Freiluft-Gartenbahn am Bahnmuseum Albula in Bergün. Jetzt soll das etwas erlahmte Modellbahn-Projekt kräftigen Rückenwind erhalten, denn 2028 jährt sich die Inbetriebnahme der Albulabahn zum 125. Mal. Und das wäre doch ein schöner Anlass, eine Albula-Bahn in 1:22,5 in Betrieb zu nehmen – zumindest man probehalber könnte man das in den nächsten zwei Jahren schaffen.
Rund 4000 Quadratmeter ist die leicht abschüssige Wiese hinter dem Bahnmuseums Ablula in Bergün groß. Noch wächst hier saftiges Gras. Doch das soll nicht so bleiben, denn seit Jahren wird hier Großes in Sachen Rhätische Bahn geplant, vor allem in modellbahnmäßiger Hinsicht. Mit einem Budget von über 1 Millionen CHF soll unter anderem die Paradestrecke der Rhätischen Bahn an deren Museum in Bergün nachgebaut werden. Neben der Albulabahn werden hier auch markante Abschnitte der Berninastrecke entstehen. Das Projekt werde sich in drei Etappen gliedern, sagt Roman Sommer, Verwaltungsratspräsident des Museums. Begonnen werde mit Umgebungsarbeiten, dann realisiere man die Albulabahn, danach die Berninabahn.

Eigentlich wollte man schon im Sommer 2022 mit dem Bau der Außenanlagen am Museum in Bergün beginnen, 2023 erste sichtbare Ergebnisse vorstellen. Aber die Planungen und Abstimmungsprozesse zogen sich bei diesem öffentlichen Modellbahnprojekt hin. Und die Gartenbahn war nur eines von drei Elementen. Erstes Element zur Aufwertung des Museums stellt der aus dem Misox überführte und äußerlich aufgearbeitete RhB-Triebwagen BDe 4/4 491 dar. Weiteres Element sollte ein Spielplatz mit Themen der Rhätischen Bahn soll den jüngeren Museumsbesuchern Kurzweil und Bewegung bieten. Das dritte Element war schon in den Planungen von 2021 eine große LGB-Freilandanlage mit dem Thema RhB. Diese begehbare Anlage soll viele Elemente der Unesco Welterbe-Strecke Albula/Bernina wie beispielsweise das Landwasserviadukt oder das Kreisviadukt von Brusio im Modell zeigen. Die Kosten für das Gesamtprojekt mit seinen drei Elementen wurden seinerzeit auf rund 1 Million Schweizer Franken hochgerechnet, davon rechnete man knapp 40 Prozent für die Gartenbahnanlage. Der hatte man damals rund 1200 Quadradratmeter zugestanden. Für heutige Ambitionen nicht groß genug.

Also soll Größeres in großer Spur entstehen, schließlich ist die Gesamtfläche 4000 Quadratmetern groß. Hier plant man jetzt die Darstellung etlicher markanter Streckenabschnitte mit Tunnels und Brücken von Albula- und Berninabahn und will dem Bahnmuseum damit neue Impulse geben. Zwar konnte man im vergangenen Jahr mit 26.000 Eintritten einen Besucherrekord verzeichnen, doch wolle man sich auf diesem Niveau nicht ausruhen. Mit der zusätzlichen Außenanlage verbindet sich die Hoffnung, die Zahl der Eintritte auf 36.000 pro Jahr steigern zu können. Ein Bahnmuseum müsse Familien mit Kindern heute etwas bieten, das lebt und das fährt, so Roman Sommer.
Attraktive Brücken haben beide Bahnstrecken zu bieten. Das Landwasserviadukt soll als imposantes Modell im Maßstab 1:22,5 mit einer Höhe von 2,88 Metern gebaut werden. Die Streckenführung und Landschaftsgestaltung müsse jedenfalls für die Besucher einen guten Blick auf die Züge ermöglichen. Dabei stehen die Modellbauer vor einer großen Herausforderung, denn das Bahnmuseum Bergün liegt in alpinen Klima auf einer Höhe von 1367 Metern ü.M. Den herrschenden rauen Witterungsbedingungen muss die Modellbahn also trotzen, damit im Frühjahr der Betrieb wieder rollt. Was dieser Anspruch bedeutet, wissen viele Gartenbahner auf eigenen Erfahrungen.
Bei rund 1,1 Millionen CHF stehen die aktuellen Planungen für das gesamte Modellbahnprojekt, mehr als zwei Drittel der Investitionen seien gesichert. Konkret fehlen zur Finanzierung noch 250.000 Franken, die durch private Spender und Stiftungen eingebracht werden sollen.
Bis 2028 muss allerdings niemand warten. Auch jetzt schon lohnt ein Besuch des Museums, für RhB-Fans bei einem Aufenthalt in Graubünden ohnehin ein Muss. Bereits seit vielen Jahren stellt eine von Bernhard Tarnutzer detailgetreu erbaute Schauanlage in Spur 0m den Zustand der RhB-Strecke an ausgewählten Punkten im Zustand der 1950er und 1960er Jahre dar. Weitere Infos: Bahnmuseum-albula.ch
gil/Foto: Bernd Spiller

