7. Juni 2026
Modellbahn FahrzeugeNeuheiten 2026Piko

Piko G ausgepackt: Vectron Dual Mode

Vor 20 Jahren stellte Piko sein erstes Spur G-Modell unter eigener Marke vor: die elektrische Schnellfahrlokomotive “Taurus” als Modell der DB-Baureihe 182. Nicht lange ankündigen, sondern zeigen, produzieren und zum günstigen Preis kurzfristig ausliefern, das war damals die Devise von Piko-Chef Dr. Wilfer. Und mit dem Taurus nahm Piko den Wettbewerb zu LGB auf. Lehmann Nürnberg hatte 2004 nicht nur das Brockenlok-Modell Baureihe 99.72 angekündigt, sondern auch die regelspurige DB-Lokomotive Baureihe 101, zum empfohlenen Preis von damals 459 €. Die war nicht made in Nürnberg, sondern made in China. Und stieß das Tor auf für eine neue Modell-Palette im Gartenbahn-Maßstab G.

Piko nahm diese Fährte auf und kam 2006 mit seinem Taurus made in Sonneberg auf den Markt. Und zeigte zum Einführungspreis von 220 €, dass made in Germany auch günstig geht. Der Taurus war anfangs etwas schmalbrüstiger ausgestattet als die 101 von LGB – z.B. brünierte Räder, kein Lichtwechsel, geschlossene Türen –, aber der Lokkasten konnte in Form und Finish überzeugen. Schließlich konnte ja auch das von den ÖBB initiierte Vorbildfahrzeug in der Form überzeugen. ES64U2 lautet die trockene Bezeichnung der von Siemens Transportation Systems und Krauss-Maffei entwickelten Taurus-Lok aus der EuroSprinter-Familie. Zwischen 1999 und 2006 wurden 437 Lokomotiven gebaut.

Liegt die Fertigung des großen Taurus also schon 20 Jahre zurück, repräsentiert sein Modell bei Piko G immer noch das Bild der modernen Bahn. Doch nun bekommt der Taurus hier Konkurrenz – vom Vectron aus der wohl erfolgreichste Lokfamilie heutiger Zeit in Europa, gebaut von Siemens Mobility. Erstmals im Jahre 2010 ausgeliefert, wurden bis Ende 2025 wurden mehr als 2800 Lokomotiven aus der Vectron-Familie an über 110 Kunden verkauft: Bahngesellschaften wie auch Leasingfirmen, die ihrerseits Lokomotiven an Eisenbahnverkehrsunternehmen weitervermieten. So sorgt der Vectron schon optisch für ein buntes Bild aus den Schienen. Aber auch technisch. Denn er ist nicht nur in Gleichstrom- wie Wechselstromnetzen unterwegs, er zieht seine Wagen auch dort, wo kein Fahrdraht mehr hängt. Im Güterverkehr ist das oft “die letzte Meile” zum Werkanschlussgleis, aber auch der IC nach Sylt wurde im Januar 2026 erstmals mit einem passend weiß lackierten Vectron Dual Mode bespannt.

Dual Mode, so ist jener Teil der Vectron-Familie benannt, dessen Lokomotiven nur einen Dachstromabnehmer tragen. Wo kein Fahrdraht mehr hängt, verharrt der Pantograf in seiner abgesenkten Stellung und greift die Lok auf fossilen Diesel zurück. Daher macht der Vectron Dual Mode Geräusche wie eine dieselelektrische Lok und bietet damit eine Steilvorlage für Piko, um den Erlebniswert einer fahrenden Gartenbahnlok zu erhöhen. Diesel-Qualm und voluminösen Motor-Sound, welche E-Lok hat das schon zu bieten? Und erlaubt nun, ganz vorbildlich mit abgesenktem Pantografen zu fahren, weil sowieso im Garten kaum ein Fahrdraht hängt?

Logistik-Lok mit Piko-Jubiläums-Logo

Zur Premiere hat sich Piko keinen weißen DB-Vectron – wie er den Sylt-IC bespannt – ausgewählt, sondern eine Güterzugvariante in Grün des Lokvermieters Northrail. Genutzt wird das als Baureihe 248 bezeichnete Vorbild von der Wedler Franz Logistik GmbH, einem mittelständischen Eisenbahnunternehmen, das einen Piko-Jubiläums-Vectron einsetzt. Der Schriftzug “75 Jahre Piko” ziert diese Lok, die im Piko H0-Programm eine von vielen Vectron-Variationen ist und jetzt, zwei Jahre nach dem Jubiläum, ins G-Programm einzieht. Und so einiges zu bieten hat, was der Taurus seinerzeit entbehren musste. Denn über die Jahre sind Piko-Modelle technisch anspruchsvoller geworden und haben mehr Ausstattung zu bieten.

Von der Ankündigung Ende 2025 bis zur Auslieferung des G-Modells sind jetzt gerade fünf Monate vergangen, und die Redaktion Gartenbahn Profi konnte das Vectron-Modell bereits auspacken und begutachten. Da bis zum Erscheinen unserer ersten e-Ausgabe am 21. August noch ein paar Wochen vergehen werden, wollen wir unsere bisherigen treuen Print-Leser aber nicht so lange auf die Folter spannen. Wer Abonnent der letzten Print-Ausgabe war, kann – Registrierung unter Profi Plus vorausgesetzt, schon in wenigen Tagen den Modell-Test zum Vectron online lesen. Den Link zum Beitrag veröffentlichen wir an dieser Stelle, also im GBP-Blog, den Sie gerade lesen.

Für unser e-Magazin richten wir im Juli einen neuen Zugang ein. Per Web und per App. Auch darüber informieren wir Sie rechtzeitig, bevor es losgeht.

Fotos: Piko, Click/Wikimedia, Medienbüro Gilbert